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Archive for the ‘Shorties’ Category

Filmplakat

Flood our souls with your spirit and life so completely that our lives may only be a reflection of yours. Shine through us.

Terrence Malicks „To The Wonder“ ist in kinematographischer Hinsicht der konsequentere „The Tree of Life“. Wo im vorherigen Werk die Brücke zwischen persönlichem Familiendrama und dem Großen Ganzen omnipräsent war, wird bei dem 2013 in den deutschen Kinos erscheinenden Film beinahe gänzlich darauf verzichtet. Narrativ sehr fragmentarisch und visuell höchst assoziativ gestaltet, scheint Malick nun endgültig die Entwicklung weg von der klassischen Narration und hin zur naturellen Abstraktion abgeschlossen zu haben. Sinnliche, vielfältige und -schichtige Symbolik verschmilzt mit den Erlebnissen der vortrefflich besetzten Schauspieler und kreiert ein Kino des Universalismus, das in seiner Aussage durch die Verwendung ausschließlich archetypischer Charaktere nochmals verstärkt wird.

Sie ist das fließende, sich anschmiegende Wasser, er der stoische Fels, der beinahe in ihrer überwältigenden Leidenschaft untergeht. Nur auf der wundersamen Insel Mont Saint-Michel, die beide Elemente harmonisch miteinander vereint und einen Moment repräsentiert, der so bezaubernd ist, dass er losgelöst von Zeit und Raum existiert, erfahren sie das Wunder des wahren Glückes. Die Liebe ist in der Lage zu beflügeln, Dich zu verzehren, Dich in die Verzweiflung zu treiben. Brauchen wir die Liebe überhaupt?

Selbstverständlich mutet diese tendenziell simplere Thematik nach einem solch überwältigenden und ambitionierten Film wie „The Tree of Life“ minimalistisch an, aber dadurch wird ihm sogleich nochmals ein wesentlich persönlicherer Charakter verliehen. Unterstützt wird der besagte Universalismus durch die schablonenhaften Figuren, dessen Intentionen wir nur selten erfahren. Keine Frage: Bei Terrence Malicks jüngster Arbeit handelt es sich erneut um ein Werk, das seiner Radikalität wegen eine höchst subjektive Rezeption evoziert; selbst sein Ende ließe sich verschieden deuten. „To The Wonder“ ist ein bewegender Rausch, dem es gelingt, auch ohne klassische Manipulationsmechanismen intensive, ganz differenzierte Emotionen zu beschwören. Wie eine rührende Erinnerung an den vielleicht schönsten Tag des eigenen Lebens. Trotz aller Widrigkeiten überlebt die ideelle Vorstellung der blühenden roten Rose im eisigsten Winter. Auch Terrence Malick ist nur ein Mensch mit Träumen. Wie wir alle.

7,0/10

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Filmplakat

Thank God for the rain to wash the trash off the sidewalk.

In elegischer Schönheit gleitet Travis in seinem metallischen Sarg durch die urbane Kanalisation voller Abschaum und schmutzigem Gesindel. Es sind Bilder, in denen die Grenze zwischen Traum und Realität immer weiter zu schwinden scheint – dunstige Abgase, grelle Neonlichter, Prostituierte und Zuhälter. Poetisch greifen der Drehbuchautor Paul Schrader und Regie-Veteran Martin Scorsese das Prinzip der Einsamkeit auf: Das, was er will, bekommt er nicht und das, was er bekommt, will er nicht. Einsamkeit war schon immer eine vom Menschen selbst auferlegte Bürde. Der Vietnamveteran ist ein Aussetziger, der im Begriff ist, seine Identität zu verlieren – schlussendlich gipfelt der Film in einem brutalen Vatermord, ganz erfüllt vom berauschenden Klang der Gesellschaft. Neben seiner ausgefeilten, subtil eingesetzten Symbolik vermittelt Scorsese einfühlsam das Gefühl der Verlorenheit. Verloren in der Gesellschaft, in der Großstadt, in der Liebe; der titelgebende Protagonist eine der tragischsten Filmfiguren der Kino-Geschichte.

9,0/10

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Filmplakat

Oh, he’s a smart one, isn’t he?

Stereotype Charaktere in einer routiniert vorgetragenen Geschichte, wie es sie schon zuhauf gab. Der Regisseur Rupert Wyatt inszeniert auf opulent getrimmtes Affentheater und lässt der Ur-Geschichte kurzerhand eine simple Coming of Age-Story hinzudichten. Seine „Evolution“ beschränkt sich demnach im spartanischen Aufbegehren seiner hyperintelligenten Primaten aus dem städtischen Zwinger mit anschließender Labor-Vernichtungstour. Hier und da noch mit überdeutlicher Hybris-Kritik ausgestattet, präsentiert sich „The Rise of the Planet of the Apes“ schnell als Tiefe suggerierender Sommer-Blockbuster. Die Zeichen standen in Anbetracht des beeindruckenden Motion Capturing-Verfahrens so gut, dass man zumindest ein optisch herausstechendes Prequel erwarten durfte, doch statt in die Special Effects zu investieren, wären fähigere Drehbuchautoren die wichtigere Anlaufstelle gewesen. So wird aus dem großen Filmklassiker samt seiner weitgreifenden Tier- und Affen-Metapher ein 08/15-Jugendfilm. Auf primitivste Weise soll der Zuschauer emotional manipuliert werden, keine Geste wird ausgelassen. Vermeintlich subtil versteckte „Easter Eggs“ und Referenzen an das Original beschränken sich beinahe ausschließlich auf einen tumben Schlagabtausch zwischen Mensch und Menschenaffe. Grundsätzlich mag die Prämisse, alle gängigen Coming of Age-Versatzstücke zur Humanisierung seiner tierischen Protagonisten zu instrumentalisieren, durchaus einfallsreich gewesen sein, in der Praxis erweist sich der Plot jedoch letztlich als ausgesprochen ideen- und substanzlos. Tatsächlich wird der 2011 veröffentlichte Film weniger wegen seiner inhaltlichen Qualitäten für längere Zeit unvergessen bleiben, sondern hauptsächlich dank seiner Effekte. Diese könnten wohl als einzige im gesamten Werk als annähernd revolutionär bezeichnet werden und dazu beitragen, dass uns bald womöglich eine gänzlich neue Kategorie bei den Oscars präsentiert werden wird: die des Performance Capture-Schauspiels.

 5,0/10

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Filmplakat

Ang Lee wirft einen ironischen Blick auf die gravierenden Ost-West-Verschiedenheiten und stachelt zum rasanten Versteckspiel der Scheinidentitäten an. Was anfangs noch witzig und ulkig anmutet, eskaliert spätestens ab dem titelgebenden Hochzeitsbankett, das mit grotesk-übertriebener Ausgelassenheit gleichzeitig anwidert und fasziniert. Aus der screwballesken Komödie wird ein tragisches Drama, eine fesselnde Maskerade der Erwartungen und Hoffnungen, angetrieben durch einen Motor der Manipulation. Lediglich die auf Englisch stattfinden Passagen sind ehrlichen Charakters – ist man nur in der kulturellen Ferne in der Lage, die [persönliche] Wahrheit zu finden? Mit viel Feingefühl setzt der berühmte Autorenfilmer die zärtliche Beziehung des homosexuellen Paares in Szene, präsentiert sie als widerstandsfähige Kämpfer gegen die damaligen Konventionen. Familien- und Gesellschaftsstrukturen werden scharfsinnig analysiert; ein pikantes Beziehungs-Potpourri aus China, Taiwan und dem vermeintlich liberalen Amerika kreiert. Der seinerseits gebürtige Taiwanese behandelt die universellen Themen der Kommunikations-, Kultur- und Gesellschaftsdifferenzen, welche er gnadenlos ad absurdum zu führen scheint, obwohl sie meist der traurigen Realität entsprechen. Wenngleich im Gesamtbild noch etwas inhomogen wirkend, ist „Das Hochzeitsbankett“ ein irrwitziger, satirischer und zugleich todernster Blick auf die moderne Völkerverständigung und die dazugehörigen Toleranzgrenzen, der seine große Wirksamkeit aus der totalen Objektivität zehrt, was besonders dadurch verdeutlicht wird, dass sich die eine Hälfte des Publikums mit dem amerikanischen Pärchen identifiziert, während der andere Teil ausschließlich mit den asiatisch-traditionellen Eltern sympathisiert. So ist das 1993 produzierte Werk gar als gewitzter Aufklärungsfilm funktionierend, der anhand seines großen Erfolges genau die richtigen Töne getroffen zu haben scheint. Laut Ang Lee selbst lediglich die therapierende Sühne für seine eigene in New York abgefrühstückte Hochzeit und letztendlich so viel mehr als das: Die Kunst als belehrende Anleitung für ein harmonischeres Miteinander.

 8,0/10

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Filmplakat
He used to say, sometimes you need to do something bad to stop you from doing something worse.

Mutwillig werden an ihrem Geburtstag ihre Träume und Wünsche in dunstigem Rauch aufgelöst, den einzufangen unmöglich ist. Mia Wasikowska als nymphengleiche Jugendliche mit leicht autistischen Zügen im sexuell-intriganten Spiel der Macht gefangen, eingesperrt von Mutter (Nicole Kidman) und Onkel (Matthew Goode). Mit dem Animalischen erwacht auch die Sexualität, welche als Sinnbild und Zentrum kosmischer Ordnung fungiert, und häufig mit einem Mutter-Tochter-Konflikt einhergeht. Der Regisseur Park Chan-wook scheint dabei das ganze Netz seiner Symboliken und Figuren um das vielfältig interpretierbare Bild der Spinne zu weben, und scheitert mehr als einmal beinahe an seinen großen Ambitionen, auch wenn er seine Kalender-Philosophie diesmal auf ein homogenes Minimum reduziert. Nach dem anfangs zögerlichen Erwachen der eigenen sexuellen Identität folgt die (feministische) Emanzipation, die in ihrer plötzlichen Erbarmungslosigkeit einem befreienden Kanonenschuss gleicht. Dazwischen tänzelt der Score des talentierten, aber leicht überschätzten Clint Mansell zwischen anstrengender Aufdringlichkeit und audiovisueller Brillanz. Mit seinem Hollywood-Debut inszeniert der Südkoreaner psychologischen Thrill der alten Schule, bei dem ganz klar der Weg das Ziel ist, und verneigt sich währenddessen nicht nur einmal vor dem großen Alfred Hitchcock. Sein verworrenes Beziehungsgeflecht ist dramaturgisch fesselnd und außergewöhnlich vielseitig fotographiert, wenngleich es in seiner großen Fülle an Motiven und Metaphern des Öfteren im Begriff ist, sich selbst das Bein zu stellen.

7,0/10

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Filmplakat

I seen another world. Sometimes I think it was just my imagination.

Mit THE THIN RED LINE beleuchtet der amerikanische Regisseur Terrence Malick objektiv die Schrecken des Krieges in malerischer Pflanzen- und Tier-Kulisse. Ihm dient der regelrecht tragische Kontrast aus erhabener natureller Schönheit und den Schrecken des Kampfes als Katalysator seiner nachdenklich-sibyllinischen Ausführungen, welche bezaubernd viel Raum für mögliche Interpretationen lassen. Die Poesie seines dreistündigen Mammut-Werkes macht sich jedoch nicht nur in seiner majestätischen Semiotik und den wohl nuancierten Hans Zimmer-Kompositionen bemerkbar, sondern begeistert gleichsam in den monologischen Reflexionen seiner Charaktere. Permanent belässt er den Fokus auf diesen, offenbart mithilfe der Offenlegung ihrer tiefsten Gedanken Ideale, Träume und die zum Schutz auferlegte Maskerade der zahlreichen vielschichtig gezeichneten Charaktere. Dadurch gelingt es ihm trotz seines sehr artifiziellen Stils, ein zutiefst berührendes Kino der emotionalen Magie zu kreieren, weil plötzlich selbst Nebenrollen irrational erfassbar werden. Dieser dramaturgische Kniff mag vielleicht nicht unbedingt neu oder revolutionär sein, doch ist er mit einer Virtuosität umgesetzt worden, die weit und breit ihresgleichen sucht und lediglich durch ihre schiere Unüberschaubarkeit kleinere Empathie-Einbuße zu verbuchen hat. Der kontinuierlich spürbare esoterische Unterton seiner Geschichte duftet zwar mild nach Religiosität, überlässt uns glücklicherweise letztlich aber die subjektive Deutung dieser und gibt uns genügend Raum zum Atmen. Malicks Natur ist wunderschön und hässlich zugleich, friedlich und tödlich, edel und hinterlistig – die gleiche stets in sich verwobene Dualität, mit der auch seine Figuren gepträgt sind. Seine Welt ist ein behutsames Wechselspiel aus tristem Grau und fantastisch-bunten Farben – der Krieg das tiefste Schwarz, in dem nur selten ein winziger Funke Licht zu erkennen ist. Vielleicht ist THE THIN RED LINE gerade deshalb ein so großer Film, weil ein jeder etwas anderes darin zu sehen vermag.

8,5/10

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Filmplakat

When we get to the country, we are gonna piss up all the trees to mark our teritory, then we are gonna find a pub and get so drunk we can’t remember how to speak, and we’ll communicate in grunts like neanderthals, before passing out in the woods!

Nach einer zweckmäßigen Kurz-Exposition und dementsprechend wenig Suspense geht das muntere Gemetzel los: Stimmig, aber ziemlich gemächlig temporiert, mit spärlich verwendeten Splatter-Effekten der guten Mittelklasse – der britische Regisseur Jake West läutet zum blutigen Kampf der Geschlechter. Seine recht kreative Grundidee wird dabei jedoch leider nur peripher ausgereizt: DOGHOUSE ist maßlos chauvinistisch und doch kann man dem Film ob seines harmlosen Dödel-Charakters nicht wirklich böse sein – das ist offen zelebrierter Sexismus mit einer klitzekleinen Prise Selbstironie. Stereotype Charakere werden von archetypisch gestalteten (Killer-)Frauen belagert, Klischees treffen aufeinander und werden bedient. Seine guten Momente hat DOGHOUSE allerdings nicht beim munteren Schnetzeln seiner Emanzen-Zombies, sondern in seinen herzlich inszenierten Augenblicken der unverfälschten Männerfreundschaft; daher funktioniert der 2009 produzierte Film eher als klassischer Buddy-Movie und weniger als effektreicher Slasher, dessen einzige Stärke wiederrum durch eine arg konstruiert und oberflächlich wirkende Anti-Helden-Gruppe, deren Freundschaft man sich nur schwerlich im realen Leben vorstellen könnte, etwas zunichte gemacht wird. All seiner Inkonsequenzen und Fehler zum Trotz hätte indes seine Schlusseinstellung nicht passender gewählt sein können – dieser ist es letztlich zu verdanken, dass DOGHOUSE sich (minimal) vom drögen Metzel-Allerlei abhebt und sehenswert bleibt. Geradezu prädestiniert für einen vergessenswert-kurzweiligen Feierabend-Schlitz.

5,5/10

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