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Posts Tagged ‘drama’

Filmplakat

Unsere Generation ist bereit dafür. Wir können es schaffen.

Der 34-Jährige Laurence ist Lehrer für Literatur, führt seit zwei Jahren ein bescheidenes, dafür aber umso glücklicheres Leben mit seiner Freundin Frédérique und wird von den Kollegen respektiert und geschätzt. Doch tief in ihm brodelt bereits lange der leidenschaftliche Drang nach der Veränderung, die eigentlich gar nicht erst nötig sein sollte.

Bereits seit 2009 gilt der aufstrebende Xavier Dolan als das Regie-Wunderkind des 21. Jahrhunderts, wurde sein erstes Werk – „I Killed My Mother“ – doch vielfach von der Kritik gefeiert und dem damals erst 20-jährigen Dolan, der bereits im Kindesalter als Schauspieler erste Filmerfahrung sammelte, eine vielversprechende Karriere attestiert. Mit „Laurence Anyways“ entwirft er ein ganz und gar homogenes Bildnis dieser oft nostalgisch verklärten 1990er-Jahre und verankert in ihnen eine allzu untypische Coming Out-Geschichte. Die Protagonisten im Zentrum der Geschichte, Laurence und Frédérique, gleichen zwei Himmelskörpern – Mars und Venus –, deren Anziehungskraft viele kleinere Planeten an sich binden, sie beeinflussen; deren (Lebens-)Bahnen sich immer und immer wieder kreuzen, bei denen eine Kollision alles bedeuten kann: vollkommenes Glück oder zerstörerisches Verderben.

Seine Definition von Liebe immer wieder zwischen körperlicher Leidenschaft und platonischer Seelenverwandtschaft definierend, widersetzt sich der in Montreal geborene Regisseur aufgrund des komplexen Kontextes klar einer herkömmlichen Lost and Reunited-Geschichte und biedert sich durch den beinahe vollständigen Verzicht auf biologische Details (inklusive voyeuristischem Geschlechtsverkehr) nicht der Sensationslust eines Durchschnittsrezipienten an. Die dadurch erzeugte ungezwungene Grundstimmung des Films lässt somit glücklicherweise sogar befreienden Humor zu, der jeder Figur die nötige Lebendigkeit einhaucht, die für ein Zeitportrait dieser Größenordnung unbedingt notwendig ist. Statt sich standardisierten und mittlerweile allzu drögen Emotionsmechanismen hinzugeben, konzentriert er seinen Fokus deutlich auf das kraftvolle soziale Kollidieren seiner Figuren und die damit einhergehenden Konsequenzen. Ihm gelingt es, die Gedanken und Gefühle einer vergangenen Zeit einzufangen und zu komprimieren, befasst sich weniger mit Laurence‘ Beweggründen als viel eher mit der Gesellschaft um ihn herum. Dass er es schafft, in diese bereits randvolle Geschichte noch Bürgertums- und Ehe-Kritik in Form von Satire einzuweben, ohne dass es überambitioniert erscheinen würde, ist in Anbetracht seines auch jetzt noch jungen Alters eine durch und durch überraschende Leistung.

Inmitten des energetischen Wirkens seiner Kamera findet Dolan immer wieder Momente der elegischen Ruhe, die er deutlich verspielt, erfreulicherweise jedoch nicht zu prätentiös mit sinnlicher Symbolik anreichert, um die Charaktere Augenblicke später erneut in einem Orkan der Gefühle aufeinanderprallen zu lassen. Musikalisch untermalt wird das ganze mit einer stimmungsvollen Mischung aus zeitgenössicher, moderner und klassischer Musik, welche das Gedankenspiel der antiquierten sexuellen Konventionen nur nochmals unterstreicht, mit dem „Laurence Anyways“ über die ganze Laufzeit kokettiert.

Er zeigt die Möglichkeit einer geschlechterlosen Liebe, ohne sie jedoch unreflektiert zu propagieren – spätestens jetzt hat Dolan die Phase der unbedarften Adoleszenz hinter sich gelassen, wodurch ihm ein erstaunlich reifes und unparteiisches Werk gelungen ist. Scheinbar spielend leicht meistert er die schwierige Gratwanderung zwischen Respekt und schmerzhafter Ehrlichkeit vor seinen Figuren, präsentiert sie als fehlerhafte, verletzliche Wesen. Unsere Mitmenschen bestimmen, ob wir akzeptiert werden oder als Aussätzige leben müssen, wenngleich wir in unserem Inneren doch alle gleich sind. Leider scheinen die Menschen auch dieser Tage noch nicht gänzlich bereit für sexuellen Nonkonformismus; womöglich werden sie es nie sein. Alles, was bleibt, ist die Akzeptanz gegenüber uns selbst. Und die Hoffnung, irgendwann das berauschende Wunder der bedingungslosen Liebe am eigenen Leib erfahren zu dürfen.

 

7,0 / 10

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Filmplakat

I opened up to you, and you judged me.

SILVER LININGS PLAYBOOK ist ein in jedweder Hinsicht äußerst rasanter und vielschichtiger Film: Im 10-Minuten-Takt werden unterschiedlichste gesellschafts- und systemkritische Themen abgehandelt, ein Feuerwerk an zynisch-schlagfertigen Dialogen entfacht und das Erzähltempo konstant ausgesprochen hoch gehalten. Schonungslos erleben wir gleich zu Beginn, wie plötzlich Justiz und Gesellschaft aus einem charmant-fehlerhaften, nur allzu menschlich reagierenden Lehrer in den Dreißigern einen missgebildeten Aussetzigen erschaffen und ihm jegliche Freiheit rauben – weil er diagnostiziert gefährlich sei. Wie ein Gefangener im riesigen Käfig wird er von unzähligen Augen und Ohren überwacht, jeder seiner Schritte hinterfragt. In seiner Stimmung überaus bedrückend und deprimierend begleiten wir ihn in seinem schier hoffnungslosen Alltag, setzen uns wie er situationalem Stress aus und leiden mit. Permanent der eine bohrende Gedanke: „Warum eigentlich gerade er, der so irrational-nachvollziehbar handelte?“

Kein Mensch ist perfekt. Nur allzu oft erlauben wir uns ein vorschnelles Urteil über jene, die ihren Imperfektionismus nicht heuchlerisch unter einer Maske verstecken. Konventionen schreiben uns vor, wie wir zu handeln und zu denken haben; was gut und was schlecht ist; was richtig und falsch; was Liebe bedeutet und wen wir zu lieben haben. Doch SILVER LININGS zelebriert das Entsagen dieser – es lebe die ungeschönt-ehrliche Andersartigkeit! Haben wir nicht alle irgendwo unsere schrägen Eigenheiten?

Ab Ende des zweiten Drittels folgt der atmosphärische Bruch. Aus dem schwarzhumorig-finsteren, psychologisch intendierten Charakter-Drama wird allmählich eine zumeist heiter inszenierte romantische Komödie. Glücklicherweise jedoch gelingt es Regisseur David O. Russell, trotz allem hinzugewonnen Optimismus nicht seine maliziösen Wurzeln zu vernachlässigen und den Übergang harmonisch-fließend zu gestalten. Nicht gänzlich ohne subversiven Charakter vollbringt er es, über die gesamte Laufzeit hinaus gleichermaßen selbstironisch wie -reflexiv auf gängige Genre-Sujets zu blicken und dennoch stets als wesentlicher, emotionaler Bestandteil von diesen zu existieren. Kurzzeitig, scheinbar nebensächlich, vermittelt er auf manipulative, aber höchst effektive, Weise das euphorisierende Gefühl des sportfanatischen Zusammenhalts, um die Endorphine kurz darauf in einer brutalen Ausschreitung schon wieder rasch verebben zu lassen – stets spielt SILVER LININGS suggestiv mit den vorhersehbaren Empfindungen des Zuschauers.

Das in diesem Genre obligatorisch notwendige Motiv des Endziels wird zwar schlüssig aber dennoch zu simpel präsentiert – in dieser Hinsicht hatte man sich nach solch einer feinsinnigen Exposition etwas weniger Absehbares erhofft. Durch den tendenziell hastig-nervösen Inszenierungsstil haftet dem Film zudem eine gewisse Inhomogenität an, welche auch nicht die grundsätzlich richtige Prämisse seines Schöpfers auszugleichen vermag. Und wo jede einzelne Rolle absolut perfekt besetzt zu sein scheint, ist es gerade Hauptdarsteller Bradley Cooper, der den studierten Lehrer womöglich etwas zu einfältig mimt, wenngleich er es nichtsdestotrotz erreicht, seiner Rolle ansonsten mit einer berührenden Verletzlichkeit auszufüllen.

Die elektrisierende Erotik der verhüllten Körper in SILVER LININGS ist eine omnipräsente – stets in greifbarer Nähe und durch gesellschaftshistorisch eingeflößte Ideale in weit gedachter Ferne. Von den Medien lediglich als schnöde Durchschnitts-RomCom beworben, ist der Film viel mehr als das. Individualität nicht als Versuch der Profilierung, vielmehr als Symptom einer häufig heruntergespielten mentalen Krankheit. Wer deswegen vom System sofort als gefährlich eingestuft wird und wer nicht, das kann manchmal ein trauriger Zufall entscheiden. Glück widerfährt demjenigen, dessen Unglück durch aufrichtige Freunde und Familie gelindert wird. Somit versteht sich der weiter oben erwähnte, inhaltliche Umbruch weniger als profitorientierter Kniff zur größeren Massenkompatiblität, sondern als redlich verdienter Silberstreif am sonst so finsteren Horizont. Als strahlender Hoffnungsschimmer für zwei verletzte und missverstandene Seelen.

8,0/10

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If ever I should meet him again you will find out who is the best man of the two. I’ll fight him sword or pistol, captain as he is.

Stanley Kubricks BARRY LYNDON ist ein episch angelegtes Bühnenstück, das größtenteils von seiner visuellen Ästhetik lebt. Kameraeinstellungen, von denen jede einzelne für die Ewigkeit geschaffen zu sein scheint und eine bis ins kleinste Detail ausgeschmückte, breit angelegte, authentische Geschichte – durch und durch anmutiges Gesamtkunstwerk. Das Wort Leinwand-Epos sollte für den Film aus dem Jahre 1975 erfunden worden sein, der trotz stolzen drei Stunden Laufzeit über beinahe keine Längen verfügt und bis ins letzte Kopfhaar ein vollkommen stimmiges, durchkalkuliertes Bildnis der Zeit des Barocks aufzeigt, ohne es unnötig zu beschönigen. Eine Epoche voller Macht-Intrigen, Irrungen und menschlicher Tragödien. Barrys ständig changierende Charakterentwicklung sind der eines Gestaltenwandlers gleich, doch stets nachvollziehbar. Das perfekt konstruierte Bildnis wird lediglich bewusst durch gelegentliche emotionale Ausbrüche zerstört und offenbart die wahren Intentionen der teils widerlichen, teils liebgewonnenen Protagonisten. Musik, Bildkomposition, Handlung – hier stimmt alles. In all seiner Pracht ist  der Film aus dem Jahre 1975 vielleicht Stanley Kubricks nachhaltigster Beweis dafür, dass er stets dem perfektionistischen Zwang seines Handwerks folgte. Ein pedantisch recherchiertes, beinahe schon biographisch anmutendes Drama, das voll von Melancholie ist und der Unterhaltung eines Königs würdig wäre. BARRY LYNDON ist in seiner Gesamtheit eine perfekt inszenierte, barocke Farce. Ästhetik und Inhalt gingen beinahe nie eine stimmigere Symbiose in der Geschichte des Films ein.

8,0/10

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Wow. I wasn’t sure where the party was, and then I saw the flashing lights and the ambulance, and I was like „right, of course! Death, carnage—it’s a Buffy party!“

Was sich bereits in Staffel 3 andeutete, setzt Serien-Schöpfer Joss Whedon konsequenterweise fort: Unsere Gefährten sind nun in die Welt der (Quasi-)Erwachsenen eingetaucht. Dies manifestiert sich einerseits in den subtextuellen Kniffen, mit denen die gesamte Staffel gespickt ist, und andererseits in ihrer kinematographischen Stilistik. Bild-Format und -Qualität sind plötzlich ein komplett anderes als noch ein paar Folgen zuvor – alles wirkt professioneller, hochwertiger und doch irgendwie auch steriler, weniger kindlich. Analog der formalen Ebene beobachten wir die frischgebackenen Studenten bei ihrem Einstieg in den Ernst des Lebens, der selten nachvollziehbarer, fühlbarer inszeniert wurde. Die schier erdrückende Opulenz der neuen Haupt-Kulisse (die Sunnydale Universität), die neuen aufwendig(er) gestalteten Feinde – BUFFY THE VAMPIRE SLAYER wächst (inhaltlich und formal) kongruent seiner Zuschauerschaft.

Die oft gelobte Themenvielfalt erstreckt sich dabei erneut über unterschiedlichsten Spektren: Ein herrlich satirischer Abgesang auf Alkohol, die Problematik des WG-Zusammenlebens oder das Thanksgiving-Fest und die dazugehörige Doppelmoral – stets treffsicher und wunderbar pointiert, präsentiert sich die Serie spätestens jetzt als eine der gleichzeitig durchdachtesten und charmantesten Populär-Produktionen, die das Fernsehen hervorgebracht hat. Bis ins Letzte reizen Whedon und sein Team die Möglichkeiten des Serien-Formats aus und offerieren in dieser Staffel einige der erinnerungswürdigsten Episoden der TV-Geschichte. Xanders krude berufliche Laufbahn als Symbol für die Orientierungslosigkeit des amerikanischen Jugend-Proletariats und als Staffel-Hauptgegner gibt es ein existenzialistisches Terminator-Motiv namens Adam, das abwechselnd philosophiert und metzelt.

Kreativ, unterhaltsam, vielschichtig – mit lyncheskem Surrealismus und cleveren Anspielungen endet diese bisher beste, vierte Staffel dann. Ausgestattet mit der gedanklichen Blaupause zum aktuellen Meta-Wahnsinn THE CABIN IN THE WOODS (der ebenfalls aus Whedons Feder stammt) und – zum ersten Mal – post-adoleszenter Seriosität hat sich BUFFY THE VAMPIRE SLAYER seinen Platz in meiner persönlichen Serien-Hall of Fame redlich verdient.

9,0/10

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I wonder if the three of us would’ve been friends in real life. Not as brothers, but as people.

Wes Andersons Indien ist ein überfülltes Indien. Voll von visualisierten Gerüchen, Eindrücken und interessanten Menschen. Bereits sehr mitgenommen sieht es bereits aus und doch ist es voll prächtiger Farben und Kulissen. Im Kontext dieser fabelhaften Szenerie entwirft der 1969 geborene Amerikaner eine transzendente Irr-Reise von drei sich entfremdeten Brüdern, die nicht wissen, was noch vor ihnen liegen mag. Mit vielen erinnerungswürdigen Details und Einfällen ausgestattet, gelingt es Anderson auf stimmige Art und Weise, den Familienzwist und die vorausgehende Vergangenheitsbewältigung darzustellen und auf ulkige Weise ad absordum zu führen. Es ist eine Gemeinschaft, die anfänglich nur vom ältesten Bruder (ausgezeichnet: Owen Wilson) mit aller Gewalt zusammengehalten wird, der hofft, mit dieser hoffentlich hochspirituellen Reise das Vertrauen unter ihnen wiederherzustellen, das die Mutter einst so eigennützig zerstörte, als sie eines Tages plötzlich aus ihren Leben verschwand. Unsere drei Helden sind ebenso kaputt und geschunden, wie es das Land ist, das sie mit dem surreal daherkommenden Darjeeling Limited-Zug durchreisen wollen. Auf ihrem Weg erfahren sie einige bedeutungsvolle Begegnungen und lernen auf tragisch-komische Weise, was Familienzusammenhalt bedeutet. Ein hoch-melancholisches und doch zeitweise durchaus lustiges Road-Movie, das zwar offen andersartig daherkommt, dies jedoch wie bei manch anderem Genre-Vertreter nie zu aufgesetzt wirkt. Denn trotz aller Überspitztheit weiß Anderson doch stets mit seinem ungleichen Trio zu berühren und mithilfe von wunderschön poetischen Bildern und Symbolen nachhaltig zu beschäftigen. Schlussendlich bleibt DARJEELING LIMITED zum Glück dann doch noch eine Komödie; befreit von der erdrückenden Vergangenheit und der schmerzenden Gegenwart geht es weiter. Unsere Charaktere besinnen sich auf das Wichtige: Die Familie.

7,0/10

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Das letzte Schuljahr beginnt auf der Sunnydale High School und so haben Buffy und ihre Freunde auch neben dem Bekämpfen von Vampiren und allerhand anderem Gesocks genug zu tun, um sämtliche Aufgaben, Sorgen und Probleme unter einen Hut zu bekommen. Die neu hinzugekommene Nachfolgerin von Kendra, die wie eine Personifizierung von White Trash daherkommende Vampirjägerin Faith, ist dabei die kreative Metapher einer bösen Stiefschwester, mit der die Erstgeborene nichts teilen möchte und unerbittlich konkurriert. Der Ober-Bösewicht, der sich ab der Mitte der Staffel herauskristallisiert, die charismatische und skrupellose Vater-Figur, die sich nur um ihre „leibliche“ Tochter kümmert. Auch in dieser Staffel bekommen wir es mit allerhand Allegorien und Gleichnissen zu tun, die in ihrer Durchdachtheit weit über übliche Mystery-Serien hinausgehen. Eine sozialistische Militär-Diktatur, die letztens Endes mit ihren eigenen Waffen (wortwörtlich: Hammer und Sichel) geschlagen wird, eine zynisch-moderne Auslegung des Hänsel & Gretel-Märchens oder das Vorführen der Leichtgläubigkeit einer vorstädtischen Gemeinde – der Subtext ist vorhanden; er muss nur beachtet werden. Mit dramaturgischem Geschick und nachvollziehbarer Emotionalität erschafft Joss Whedon auch diesmal wieder eine Welt, die es so wohl nie wieder ein zweites Mal geben wird. Man darf gespannt sein, wie es nun – nach dem Abgang von Angel – weitergehen wird und wie sich die so sehr ans Herz gewachsenen Protagonisten nun in der Welt der Erwachsenen schlagen werden.

8,0/10

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Man, Buffy! My whole life just flashed before my eyes! I gotta get me a life!

Genau ein Monat ist nun vergangen, seit ich die erste BUFFY-Staffel beendet habe; selbstverständlich wurde die darauffolgende so früh geordert, dass ein nahtloses Weitersehen gewährleistet wurde – so macht man das nun mal als Serien-Liebhaber. Und seitdem hat sich viel im kleinen Örtchen Sunnydale, das romantisch direkt am Schlund der Hölle liegt, getan – Der Meister scheint vernichtet und es kehrt zum ersten Mal wieder etwas Ruhe in das unter normalen Umständen verschlafene Kaff ein. Doch die währt selbstverständlich nicht lange, handelt es sich bei BUFFY THE VAMPIRE SLAYER doch primär um eine Action- und keine Drama-Serie. Und so begeistert auch diese zweite Season mit durchweg verrückten und sehenswerten Bösewichten, die es zu vernichten gilt. Wir bekommen es hier unter anderem mit einer bösen Inka-Mumie, parasitären Facehuggern (ALIEN lässt grüßen!), kultischen Studentenverbindungen, einem ganz klassischen Werwolf und, wie auch anders zu erwarten, mit Vampiren zu tun, deren Durchschnittsausgeburten jedoch mehr und mehr zu bloßem Pflock-Futter zu verkommen scheinen, sind sie doch mittlerweile beinahe nicht viel mehr als Bauern auf dem übernatürlichen Schachbrett, auf dem die vier Freunde gegen die Vernichtung der Welt kämpfen – vier Freunde deshalb, weil Cordelia inzwischen auch zu den aktiven Mitstreitern zählt, nachdem sie realisierte, wer richtige Freunde sind.

Dieser Gut-gegen-Böse-Plot ist unterhaltsam und ganz nett, würde aber allerhöchstens Serien-Durchschnittskost bieten, wäre da nicht die berühmte Metaphern-Ebene, die aus beinahe jeder Folge eine gekonnt veranschaulichte Analogie zu sämtlich erdenklichen Problemen und Themen macht, die ein Mensch respektive Teenager nun einmal gelegentlich hat. Die Angst, seinen ersten Partner zu verlieren, Selbstmord oder das nahezu ungerechtfertigt hohe Ansehen, das Sportmannschaften in amerikanischen Schulen meist genießen – fast zu jeder Sache hat die Serie etwas zu zu sagen und tut dies meist mit einem verschmitzten Augenzwinkern, wenn teuflische Bedrohung und reale Probleme miteinander zu verschmelzen beginnen. Nichtsdestotrotz gelingt es Whedon und Co., des Öfteren auch gefühlvollere und ernstere Töne anzuschlagen, wenn dies vonnöten ist. Ohnehin merkt man der Serie deutlich an, wie sie inhaltlich – kongruent zu ihren Protagonisten – nach und nach der Schulbank entwächst und erwachsenere Themen aufgreift, was sich ebenfalls in den Gegenspielern widerspiegelt, die zunehmend brutaler und sadistischer daherkommen.

Kurzum: Die Serie entwickelt sich genau so, wie ich es mir persönlich erhofft hatte. Die Themen ernster, die Stimmung düsterer und doch kommen auch helle und witzige Momente nicht zu kurz, entfalten ihre Wirkung meist dadurch sogar noch besser. Die Truppe aus Xander, Buffy, Willow und Cordelia weiß durch gut pointierte Dialoge und einer Dynamik zu überzeugen, die sie einem alle unweigerlich ganz nah ans Herz wachsen lassen. BUFFY THE VAMPIRE SLAYER ist hervorragende Serienkost, die einen ob ihrer Liebenswürdigkeit schnell den stressigen Alltag vergessen lässt. Sie kommt zwar selten ähnlich intelligent wie aktuellere Spitzenserien daher, dies wird aber mit Leichtigkeit durch die wunderbar detailverliebte Atmosphäre, die erneut mit unzähligen Popkultur-Referenzen aufwartet, den stets sympathischen und nachvollziehbar handelnden Charakteren und dem abwechslungsreichen Best Of des Gruselkabinetts ausgeglichen, das sie gänzlich durchzieht. Würde ich nicht noch gerne Luft nach oben für die folgenden Staffeln lassen, läge die Wertung vermutlich höher als absolut sehenswerte…

7,5/10

Something weird is going on. Isn’t that our school motto?

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