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Posts Tagged ‘satire’

Filmplakat

 

Angespannt trainiert Daniel Lugo (Mark Wahlberg) an einer Vorrichtung an der Wand seines Fitnessstudios. Nur noch zwanzig Sit-Ups, bis der Satz komplett ist. Plötzlich heulen Sirenen. Wie von einer Wespe gestochen reißt sich Lugo los und sprintet über die Dächer der Stadt Richtung Freiheit. Rückblende; ein paar Monate zuvor: Er hat gerade frisch eine Stelle als Trainer im örtlichen Sun Gym ergattert. Nun kann er also gleichzeitig Geld verdienen und währenddessen noch seinen Körper stählen, der American Dream scheint perfekt. Schnell jedoch schon beschleicht ihn das Gefühl, dieses wunderbar sonnige Leben würde ihn betrügen. So viele Menschen gibt es, die wesentlich mehr Geld haben als er und offenbar nichts dafür tun müssen. Dann kommt der auf Plakaten und im Fernsehen omnipräsente, manipulative Motivationstrainer Johnny Wu (Ken Jeong) ins Spiel, unablässig „Be a Do-er, don’t be a Don’t-er“ predigend – für Lugo die so erwartungsvoll ersehnte Schneeflocke, welche die Lawine in Gang setzt.

Schwerreiche jüdische Unternehmer, die ihr gesamtes Geld steuerfrei im Ausland bunkern, christlich-orthodoxe Bodybuilder-Sanftnaturen, erfolgreiche Geschäftsmänner mit kurvigen Ehefrauen – zugegeben: Michael Bays Interpretation einer Kapitalismus-Persiflage kommt nur allzu schablonenhaft und simpel daher, weiß aber nichtsdestotrotz mit seinem plakativen Humor gelegentlich zum Schmunzeln anzuregen und die Dynamik innerhalb seiner Figuren stets auf einem angemessenen Niveau zu halten, hin- und herpendelnd zwischen ulkiger Posse und brutaler Groteske. Immer wieder ergeht er sich in selbstreferentiellen Gags innerhalb seines eigenen Filmographie-Universums, möchte uns mitteilen, dass auch er selbst mittlerweile retrospektiv einen gereifteren Blick auf sein früheres Schaffen habe, was stellenweise als gelungen, oft jedoch auch schlicht als gescheitert betrachtet werden kann. Auf narrativer Ebene besinnt sich Bay auf eine klar strukturierte, mehrstufige Klimax, die immer wieder mit bündigen Flashbacks ausgestattet ist und die verkorkste Vergangenheit sowie persönliche Motive der Heist-Mitglieder beleuchtet.

Jeder Zentimeter mehr am Bizeps bringt Dich näher zu Deinem persönlichen Glück. Handle, verwirkliche Deinen Traum, beschäftige Dich! Vom Spargeltarzen zum Schwarzenegger – der American Dream in Form gestählter Physis. Selbstverständlich ist sich Michael Bay trotz seines bisherigen Œuvres, welches durchaus eine gegenteilige Vermutung nahelegen würde, absolut bewusst, dass Muskeln nicht gleich bedeutend mit finanziellem sowie gesellschaftlichem Erfolg sind und so führt er sein ulkiges Trio Infernal als stereotypische Karikaturen vor, die nach vollzogenem Coup nicht einmal genau wissen, was sie überhaupt wollen.

In typischer Hochglanz-Optik entführt uns Bay in eine grelle Welt voller Oberflächlichkeiten, in welcher Fleisch und Lust die größten Heiligtümer darstellen – in der seine Charaktere alles für die Verbesserung ihres Körpers tun. Seine drei Protagonisten – Daniel (Mark Wahlberg), Paul (Dwayne „The Rock“ Johnson) und Adrian (Anthony Mackie) – sind von höchst ambivalenter Natur und repräsentieren alle jeweils auf mehr oder minder unterhaltsame Weise eine Form des ur-amerikanischen Strebens nach persönlichem Glück. Dass der heute 48-Jährige, der noch nie für seine politische Weitsicht bekannt war, dabei jede Figur auf infantile, teilweise jedoch herrlich absurd inszenierte Klischees herunterbricht, um sich anschließend gebieterisch darüber lustig zu machen, ist in Anbetracht seines recht ausgewogenen Rundumschlags sicherlich noch zu verschmerzen. Was allerdings tatsächlich recht sauer aufstoßen lässt, ist seine pseudo-ironisch gemeinte Darstellung der Frau: Während es zumindest eine handvoll dominante männliche Charaktere gibt, reichert der gebürtige Kalifornier den Film auf der anderen (Geschlechter-)Seite ausschließlich entweder mit leicht bekleideten Videoclip-Model-Statisten oder vollkommen von Männern abhängigen Naivchen an, welche kaum in der Lage sind, auch nur einen vernünftigen Satz über die Lippen zu bringen. Wo hört Satire auf und wo beginnen persönliche Ideologien?

Leider verzettelt sich „Pain & Gain“ gelegentlich in seiner ausufernd angelegten Erzählspanne, wodurch der sonst über weite Strecken gefällige und angenehm schnelle Handlungsfluss hin und wieder gefährlich ins narrative Stocken gerät. Die Qualität des Humors schwankt beständig von „erstaunlich treffend und bissig“ zu „unnötig albern“ und ist somit leider für sich allein kein absolut sicherer Garant dafür, sich in Michael Bays abgedrehter Wohlstands-Groteske wohlzufühlen. Schlussendlich führt eine Seriennummer auf dem Brustimplantat eines der Opfer zur vollständigen Überführung der Täter. Das Symbol von (körperlicher) Substanzlosigkeit schlechthin wurde ihnen also schließlich zum Verhängnis. Wenn das mal keine gewitzte Pointe ist.

 

5,0 / 10

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Filmplakat

Divine decadence darling!

CABARET zelebriert die therapierende Wirkung der Kunstform des satirischen Musicals in jeder Sekunde und verwendet im selben Moment verstörend dualistische Perspektiv-Montagen, um an den Wahnsinn und Schrecken des Faschismus‘ zu erinnern. Stets bestimmt das aktuelle Tagesgeschehen die lasziv-dekadenten Bühnenprogramme des surrealistisch eingefangenen Kit Kat Clubs im Berlin der 1930er-Jahre. Einfältige Bürger der Arbeiterklasse beginnen derweil, sich in fanatischen Gemeinschaften zu gruppieren, sprießen wie Giftpilze hervor und verpesten das ohnehin schon kritische Klima der deutschen Großstadt. Grausam der gefährliche Kontrast aus brutaler Gewalt und künstlerischer Ausgelassenheit, der anfangs nur vereinzelt, später jedoch omnipräsent auf die Leinwand tritt. Entgegen des Ur-Broadway-Stücks richtet Regisseur Bob Fosse neben den karikierenden Bühnenshows seinen Fokus auf die Beziehung zwischen Sally und Brian; beide fungieren als Archetypen für politische Identitäten. In einer frivolen Dreiecksbeziehung eskaliert das Kokettieren mit dem ideologisch oppositären Gegenüber schließlich – Pro und Contra, artifizielle Scheinwelten und Realität. CABARET ist ein Kind des Dualismus. So befreiend und eskapistisch Kunst auch ist, die Welt vermag sie leider nur in den seltensten Fällen zu verändern.

8,5/10

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Filmplakat

I was moving to Hollywood next month to be famous, now I’m going to die out here with all of you assholes!

Das Hauptproblem von HATCHET ist, dass Regisseur und Autor Adam Greene stets seinen nostalgischen, vor Klischees triefenden Plot und seine stereotypen Charaktere zelebriert, sie jedoch nie auf unbeschrittene Wege schickt und damit etwas Neues wagt. Sein Humor dümpelt zwischen „Gut gemeint, aber schlecht pointiert“ und „Meint er das jetzt ernst?“ hin und her und kann einem mit seinen pubertären Witzen nur selten ein kleines Schmunzeln abgewinnen. Nach einer eher zweckmäßigen Exposition geht es dann auch schon ans blutig Eingemachte: Wenigstens die Splatter-Effekte sind mit Liebe zum Detail produziert und bieten in ihrer Redundanz als einzige ein wenig komödiantisches Potenzial. Doch voll damit beschäftigt, sich in seinem mäßigen Spiel der Erwartungshaltungen zu weiden, vergisst er völlig, sich um seine pseudo-selbstironische Geschichte zu kümmern. So stolpert man von Mord zu Mord und weiß bereits nach den ersten fünf Minuten, wohin das alles führt. Überaus unausgegoren und unentschlossen – Adam Greene versucht sich auf den satirischen Spaß-Pfaden und liefert letztendlich doch nur einen uninspiriert-langweiligen Trash-Splatter ab.

4,0/10

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Filmplakat

Any world that can produce the Taj Mahal, William Shakespeare, and Stripe toothpaste can’t be all bad.

Mit Schirm, Charme und Melone entwirft Regisseur und Autor Billy Wilder im historischen Kontext des Kalten Krieges eine schlagfertige Real-Satire und aristophanische Polit-Karikatur. So ist der gebürtige Österreicher zwar nie auch nur annähernd wertungsfrei, doch werden gleichermaßen Ost wie West, Links wie Rechts auf die hinterfragende Schippe genommen – Wilder wütet mit komödiantischem Geschick und niemand ist vor seinen bissigen Hieben sicher. Mit sichtlicher Freude demontiert er politische Ideale und Lebensstile, rechnet auf humoristische Art mit Korruption und Mitläufertum des deutschen Volkes ab, ohne sich allerdings mit erhobenem Zeigefinger über sie zu stellen.

Vor allem – aber nicht nur – aus damaliger Sicht dürfte EINS, ZWEI, DREI für ein mulmiges Bauchgefühl gesorgt haben, als der damals 55-Jährige gleichermaßen das kapitalistische Patriarchiat wie auch die Doppelmoral der Kommunisten ad absurdum führt, im dialogischen Zusammentreffen beider Gegensätze wortspielerische Glanzleistungen und wohl pointierte Leichtfüßigkeit kombiniert und somit fein- wie auch hintersinnige Komik kreiert. Das ungleiche junge Liebespaar fungiert als burleske Metapher für das Poussieren mit dem [ideologischen] Feind und die Blindheit der Liebe, die anfänglich alle Grenzen und Gesetze außer Kraft zu setzen weiß – bis der Blick durch die rosarote Brille allmählich aufklart und sich eine der beiden Seiten entscheiden muss. Mit einem rasanten Crash-Kurs in Sachen Kapitalismus endet der 1961 produzierte Film schließlich und präsentiert sich bis in die letzte Kamera-Einstellung als das, was er im Grunde ist: Ein wohl akzentuierter, mit einem perfekten Drehbuch ausgestatter Witz, ein skurriles Zeitgeist-Portrait der DDR, bei dem wohl jeder Zuschauer zum Wenigsten ein paar verschmitzte Backpfeifen kassieren dürfte. Billy Wilder, der charmante Karikaturist.

8,5/10

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Very few guys know me.

Entgegen seiner Vermarktung ist Andrew Dominiks KILLING THEM SOFTLY weniger Gangster- oder Kriminalfilm, sondern in erster Linie eine behutsame Gesellschafts- und Kapitalismussatire im mafiösen Deckmantel, welche auf Kosten ihres Spannungsbogens eher das Gehirn als den Herzmuskel anspricht. Trotz einiger hübscher visuellen Spielereien und ansehnlichen Kameraeinstellungen verliert sich der amerikanische Film streckenweise jedoch in der dialogischen Belanglosigkeit, die nicht einmal der formidabel selektierte Soundtrack auszugleichen vermag.

Dreckig-depressive Hochglanzbilder ergänzen sich ausgezeichnet mit der distanzierten Erzählperspektive von Dominiks Geschichte, die wir mit voyeristischem Vergnügen verfolgen dürfen. Er zeichnet ein zynisches Bild der Bush-Ära, in welchem die Wirtschaftskrise und die große Arbeitslosigkeit thematisiert werden. Die ehemals schönen Kleinstädte beginnen zu verfallen und der menschliche Abschaum kommt allmählich aus seinen dunklen Löchern hervorgekrochen; auf den Straßen begegnen wir nicht einer einzigen Frau, sondern lauschen lediglich obszönen Erzählungen von Prostituierten und untreuen Ehefrauen. Selbst die einst unangreifbar scheinende Mafia wirkt plötzlich müde und ausgelaugt – die ökonomischen Probleme des Landes machen vor niemandem halt. Und in den Fernsehern ertönen die verheißungsvollen Reden der Politiker.

Leider büßt Dominiks prinzipiell guter Ansatz zugunsten vermeintlicher Massentauglichkeit erheblich an Subtilität ein und spätestens in der holzhammerhaften, dennoch recht stimmigen Schlusseinstellung sollte jedem klar sein, worum es in der karikierten Milieu-Studie des 45-jährigen Neuseeländers geht: KILLING THEM SOFTLY ist ein teils plumper, teils treffsicherer Abgesang auf Amerikas zerbröckelnde Gesellschaft, Geld und die undurchsichtigen Hierarchien und politischen Machtspielchen in Führungsebenen; und Jackie Cogan ist der sensible, extern agierende Abteilungsleiter mit der Lizenz zum Feuern. Darüber hinaus gelingt es dem hervorragenden Schauspieler-Ensemble samt herrlich maliziösem Post-SOPRANOS-Wiedersehen mit James Gandolfini indes zumeist, den Zuschauer in seinen schmutzigen Bann zu ziehen. Schlussendlich überwiegt hingegen das unbefriedigende Gefühl der Inhomogenität, das man beim Gedanken an Andrew Dominiks drittes Werk hat; und das Bedauern über viel verschenktes Potenzial bei handwerklich sauberer Arbeit.

6,5/10

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All hail the tube!

Wenn eine Vorsitzende der Kommunistischen Partei mehr Profit für sich herauszuschlagen versucht oder der Anführer einer linksextremen, terroristischen Geruilla-Fraktion plötzlich mit konservativen Anzugträgern über eine zukünftige Zusammenarbeit verhandelt, dann befindet man sich in Lumets hochzynischer Abrechnung mit der (Fernseh-)Unterhaltungsindustrie. Zu jeder Zeit bissig, feinsinnig und – auf teils schmerzhafte Art und Weise – wahnsinnig witzig. Ursprünglich als bitterböse Medien- und Gesellschaftssatire konzipiert, erreicht NETWORK gerade heutzutage eine Aktualität und Relevanz, die beinahe schon beängstigend ist. Doch auch trotz unübersehbarer dramaturgischer Schwächen entfaltet der Film aus dem Jahre 1976 – ähnlich, wie schon in 12 ANGRY MEN – ein nüchtern inszeniertes, brisantes und höchstspannendes Kammerspiel, das mit fiesen Seitenhieben auf diverse Bevölkerungsgruppen nicht gerade spart. Mit penibler Genauigkeit seziert und demontiert Sidney Lumet einen ganzen Industriezweig samt ihrer menschlichen Zahnräder, offenbart ihre politischen Machenschaften und Intrigen und entlarvt sie im Film als das, was sie sind: Geldgierige, seelenlose, verlogene und korrupte Marionetten. Am Ende kulminiert die Spirale des medialen Irrwitzes in der unglaublichen und zugleich einzig schlüssigen Konsequenz. Howard Beale? Och, der ist doch schon wieder Schnee von gestern.

Television is not the truth! Television is a God-damned amusement park! Television is a circus, a carnival, a traveling troupe of acrobats, storytellers, dancers, singers, jugglers, side-show freaks, lion tamers, and football players. We’re in the boredom-killing business! So if you want the truth… Go to God! Go to your gurus! Go to yourselves! Because that’s the only place you’re ever going to find any real truth.

8,5/10

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